Dienstag, 17. Mai 2022

Flennen

 wie die kleinen Kinder,

können gestandene Mannskerle, welche zuvor Urgeräusche wie Neandertaler von sich gaben!

Ich werde diese Fußball-Dinosaurier einfach nie verstehen!
Grunzend, saufend brüllend.
In der einen Hand die Bratwurst und in der anderen das Bier, vollgehängt mit übelst richenden Fan-Utensilien.

Der Sieg!

er wird schon Wochen vorher gefeiert.
Lobgesänge auf die 'eigene' Manschaft.
Man(n) ist Teil des Teams, das sind 'unsere' Jungs.

Wir werden gewinnen
(bestimmt)

Mit der Leichtigkeit eines Wahrsagers, wird der Sieg 'prophezeit'!
Es werden Siegesfeiern vorbereitet, als gäbe es überhaupt keine Alternative!
Sogar Hochzeiten werden abgesagt / verschoben, 
falls diese in der selben Lokation wie die Krönungsfeierlichkeiten des Siegers stattfinden sollten.

Fußball verbindet,

scheinbar sehr viele Menschen!
Kann ich mir gut voerstellen. Weshalb auch nicht?!
Man hat es ja zu Zeiten der Hochinzidenz während der Corona-Pandemie gesehen.
Alle Menschen sind schlecht und böße, welche die Masseninfektion verhindern wollen!

Zuhause

kann Man(n) scheinbar kaum sein Neandertalerwesen so herauslassen, wie vor oder im Stadion!
Was sollen denn die Nachbarn denken?! Oder die eigenen Kinder?
Das Familienoberhaupt, in diesem Moment die Ehefrau, zählt schon die Bierflaschen, welche wie umgefallene Kegel auf dem Rasen, oder schlimmstenfalls auf dem Wohnzimmerteppisch umher rollen. 
Und bloß nicht mit der Bratwurst auf die neue Couch!
Wofür sonst zahlt Man(n) denn eine Stange Geld für Sport-Pay-TV?
Aber die wichtigen Ereignisse will Man(n) life.

Vor dem Stadion,

wird erst nochmal richtig vorgeglüht.
Pünktlich sollte man dort sein, sonst gibt's zuviel Gedränge am Einlass oder auf der Tribüne.
Mindestens vier Stunden vor Spielbeginn!
Man(n) braucht ja noch eine Kleigkeit zu Trinken und eine Stärkung in Form von Nahrungsaufnahme.
Frauen nehmen gelegendlich auch an solchen Feierlichkeiten teil, fallen aber weniger auf, da sie weniger Nahrung und weniger Flüssigkeit aufnehmen, als ihre männlichen Gefährten!

Jetzt aber los!

Es ist doch einiges an Zeit vor dem Stadion verloren gegangen.
Da wartet man noch auf diesen oder jenen, mit welchem man verabredet war.
Die Bahn verspätet, die Ehefrau zuhaus besänftigt und versprochen nicht ganz so komatös von der Schlacht wiederzukehren!
Die verlorene Zeit hätte / hat man locker mit vier Liter Bier und drei Bratwürsten füllen können!

Jetzt geht's los!

Die (körperliche) Masse setzt sich in Bewegung Richtung Hauptportal.
Durch die verlorene Zeit vor dem Stadion, bewegt sich nun, gefühlt, 
die halbe Weltbevölkerung Richtung Eingangsbereich.
Das Gedränge verleiht einem das Gefühl der Gemeinschaft.
Alle wollen das! Alle tun das! Gruppenzwang! Du musst einfach in der Masse mitschwimmen!
Da bekommt man schon noch den einen Klecks Senf, Ketchup oder ein Stück von der Bratwurst auf die Klamotte. Gerne darf es hier und da nochmal ein Schwall vom Bier sein!
Einige schaffen es leider nicht, weitere liegen regungslos am Gehwegrand auf der Wiese.
Die Vorfreude über den vermeindlichen Sieg war wohl doch zu überwltigend!
Nach dem Nadelöhr ist vor dem Nadelöhr.
Nun hat man endlich den Engpass am Eingang überwunden, 
schlängelt sich alles Richtung seines Sitz- oder Stehplatzes!
Meiner Meinung nach hätten sich die Erbauer dieser Stätten, die Sitzplätze sparen können.
Ich sehe hier nur eine erhebliche Verletzungsgefahr!

Anpfiff!

Holzbein-Stiel gegen Wackerstein-Burg-haste nicht gesehen?
Egal!
Mitlerweile ist Man(n) ohnehin schon so breit, dass nur noch das Er(geb)lebnis zählt.
Eine Choreo muss her!
Das ist der absolute Geminschafts-Burner!
Wie damals in der Disco beim Line-Dance.

FOUL!

Doch was ist das? Was pfeift denn der Schiri da?
Für uns zu wenig, für die anderen zu viel?!
Wer bezahlt denn den?
Wo hat der denn seinen Blindenhund gelassen?
"Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht"
"Los Jungs, die Bengalos raus und werft alles was ihr in euren Rucksäcken habt!"

Aus, aus, aus

das Spiel ist aus.
Doch führ wen?
Wer hat gewonnen?
Viele werden es erst am nächstn Tag aus den Medien erfahren.

Verletzte

gab es bei diesem Spiel nicht nur auf dem Rasen.
Leider mussten die Rettungssanitäter viele Platzwunden, 
Abschürfungen, Hämatome und Verbrennungen behandeln.
Quasi wie bei einer richtigen Schlacht.
Rettungswagen brachten sogar Menschen mit Knochenbrüchen in die umliegenden Krankenhäuser.
Die komatösen Mitstreiter dieser Schlacht wurden vom Rasen aufgelesen und erst einmal in die Ausnüchterungszelle gebracht. 
Ihre Ehefrauen holten diese armen geläuterten Wesen am nächsten Tag von der Wache ab.

Fazit

Diese Schlacht, also dieses Spiel, war sehr ungerecht.
Wieder einmal haben die Anderen gewonnen.
Das war geschoben, gezogen, bestochen und betrogen!
Was machen wir nun mit den bereits gebuchten Krönungshallen?
"Wir können doch nicht alles absagen, nur weil unsere Flaschenkicker kein einziges Tor geschossen haben"?
Bei gestandenen Mannskerlen rinnen Tränen über die Wangen.
Ja tatsächlich! 
Die weinen wie die kleinen Kinder, die ihren Luftballon nicht bekommen haben.
Diese starken Männer, 
die vorher den unverwüstlichen Neandertaler mit Grunz- und Brüll-Lauten gegeben haben.
Die, die den Schiri 'weghauen' und den Gegner (Feind) vernichten wollten!

Nicht meins

weshalb ich mich nie für Fußball interessiert habe?
Ich kann es nicht wirklich beschreiben.
Alleine dieses Getue überschwänglicher Siegesfreude ist mir nicht in die Wiege gelegt.
Sicher freue ich mich über ein gewonnenes Spiel!
Aber so?
Nein, niemals!
Das würde ich weder meinem Gegner noch meinem verlierenden Gegener wünschen.
So möchte kein Mensch behandelt werden.
Ich habe viel verloren und habe dieses Gefühl der Schmäh sehr oft ertragen müssen.
Es ist nicht schön!

Habe die Ehre & in diesem Sinne:
versucht einmal, euch nicht wie Neandertaler zu verhalten!
@rettschy68

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